Im Gespräch: Thomas Weninger
Österreichischer StädtebundThomas Weninger ist Generalsekretär des Österreichischen Städtebunds. Der Österreichische Städtebund ist die kommunale Interessenvertretung von Städten und größeren Gemeinden gegenüber Bund, Bundesländern und europäischen Institutionen. Als aktive Plattform für Erfahrungsaustausch und Vernetzung organisiert der Städtebund u.a. Fachausschüsse, Arbeitskreise und fachliche Netzwerke, bei denen sich Städte- und Gemeindevertreter:innen über aktuelle Entwicklungen und innovative Maßnahmen austauschen. In Brüssel ist das Büro des Österreichischen Städtebundes in die ständige Vertretung Österreichs bei der EU integriert.
Thomas Weninger © Markus Wache
Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?
Der öffentliche Raum ist in Städten und Gemeinden am sichtbarsten. Er soll tatsächlich von allen genutzt werden. Ich denke hier an Kinder, Jugendliche aber auch ältere Menschen. So hat Innsbruck gerade den Bozener Platz neugestaltet – barrierefrei, mit konsumfreien Zonen, 31 Bäumen, vielen Sitzgelegenheiten und vielem mehr; die Villacher Innenstadt ist als „zweites Wohnzimmer“ konzipiert und auch der Linzer Hauptplatz wird aktuell umgestaltet. In Wien gelten die Umgestaltung der Thaliastraße zum Klimaboulevard in Ottakring oder das Gersthofer Platzl zum Grätzelzentrum in Währing als Best Practice-Beispiele. Plätze nehmen eine multifunktionale Funktion wahr: Das Spektrum reicht vom Marktplatz bis zu Veranstaltungsflächen. Es geht dabei auch um die Lebensqualität in den Städten, Infrastrukturen sollen nicht nur klimafreundlich sein, sondern auch Erholung bieten. Parks und kleine Wälder spielen hier ebenso eine Rolle. Für eine Stadt ist es aber auch wichtig, Sportanlagen zur Verfügung zu haben. Sport verbindet und fördert Gemeinschaft. Nicht zu vergessen sind Infrastrukturen für Energie und Mobilität sowie für Soziales. Darauf werde ich später noch zurückkommen. Wesentlich ist, dass die Politik, den Weg für zukunftsfitte Städte öffnet und mitträgt.
Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei in ihrem Bereich, für Ihr Fachgebiet?
Nachhaltige Raumplanung ist ein zentrales Handlungsfeld für den kommunalen Klimaschutz. Der Nationale Energie- und Klimaplan sowie die österreichischen Raumordnungsgrundsätze betonen, dass eine ressourcenschonende Siedlungsentwicklung, eine integrierte Verkehrs- und Energieplanung sowie eine gezielte Klimawandelanpassung auf kommunaler Ebene maßgeblich zur Zielerreichung beitragen. Viele österreichische Städte und Gemeinden stellen sich dieser Verantwortung bereits und ergreifen zahlreiche raumplanerische Maßnahmen mit Klimarelevanz. So werden in Stadtentwicklungs- oder örtlichen Entwicklungskonzepten Ziele im Bereich Energieeffizienz, erneuerbare Energie, nachhaltige Mobilität und Klimawandelanpassung verankert.
Darüber hinaus greifen einige Städte auf weiterführende Analyse- und Planungsinstrumente wie Energie- und Wärmeatlanten, Klimaanalysen oder Grünflächenkataster zurück. Auch Stadtteilentwicklungskonzepte mit konkreten Vorgaben zur nachhaltigen Quartiers- und Innenentwicklung sind vorhanden. Die Elektrifizierung von Bussen und der Ausbau der E-Mobilität schreitet ebenso voran.
In den sogenannten Klimapionierstädten gibt es eine Vielzahl weiterer umgesetzter Projekte.
Klar ist aber, dass für die Durchführung der Mobilitäts- und Energiewende Städte und Gemeinden ausreichend finanzielle Mittel brauchen. Denn zukunftsfitte öffentliche Leistungen kommen allen zugute.
Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft?
In den nächsten Jahren sind soziale Infrastrukturen für Städte und Gemeinden entscheidend. Ich nenne hier Gesundheitsdienstleistungen, Kindergärten und Pflegeheime. Dafür gilt es gut ausgebildetes Personal und ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben.