Im Gespräch: Johann Breiteneder
Best in Parking AG»Projekte wie innerstädtische Garagen oder Park & Ride Anlagen zeigen, wie sich Erreichbarkeit und Verkehrsberuhigung miteinander verbinden lassen. Infrastruktur ist damit ein zentrales Instrument, Städte funktional zu organisieren und gleichzeitig lebenswerter zu gestalten.«
Johann Breiteneder ist CEO der Best in Parking AG, einem der führenden Anbieter für Parkraum- und Mobilitätsinfrastruktur in Mittel- und Südosteuropa. Mit rund 100.000 Stellplätzen an über 200 Standorten in mehr als 40 Städten gestaltet das Unternehmen innovative Mobilitätslösungen an zentralen urbanen Standorten.
Foto: Johann Breiteneder, © Best in Parking
Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?
Infrastruktur verbindet Menschen und Orte vor allem dadurch, dass sie Mobilität ordnet und zugänglich macht. In wachsenden Städten geht es zunehmend darum, Verkehr gezielt zu lenken und Flächen effizient zu nutzen. Parkinfrastruktur kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie den ruhenden Verkehr in den Untergrund verlagert und so oberirdisch Raum für Fußgänger:innen, Radverkehr und öffentliche Aufenthaltsqualität schafft. Projekte wie innerstädtische Garagen oder Park & Ride Anlagen zeigen, wie sich Erreichbarkeit und Verkehrsberuhigung miteinander verbinden lassen. Infrastruktur ist damit ein zentrales Instrument, Städte funktional zu organisieren und gleichzeitig lebenswerter zu gestalten.
Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei in Ihrem Bereich, für Ihr Fachgebiet?
Infrastruktur ist immer sowohl technische als auch räumliche Aufgabe. Sie muss zuverlässig funktionieren und gleichzeitig so gestaltet sein, dass sie sich sinnvoll in das Stadtbild einfügt. In unserem Bereich bedeutet das, Parkinfrastruktur als Teil einer ganzheitlichen Stadtentwicklung zu verstehen. Daraus ergibt sich unsere Verantwortung, Lösungen zu schaffen, die Verkehr effizient bündeln, Flächen freispielen und die Aufenthaltsqualität im urbanen Raum nachhaltig verbessern.
Ein konkretes Beispiel ist die Neugestaltung des Neuen Marktes im 1. Wiener Gemeindebezirk, einem der größten Transformationsprojekte im Wiener Stadtzentrum. Best in Parking war dabei Projektbetreiber und Partner der Stadt bei der Neugestaltung sowie der Errichtung der Tiefgarage. Durch die Umsetzung einer technisch anspruchsvollen unterirdischen Infrastruktur konnte die rund 10.000 m² umfassende Oberfläche neu gestaltet und als hochwertige Aufenthaltsfläche zurückgewonnen werden.
Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft?
Die Transformation urbaner Infrastruktur wird wesentlich durch drei Faktoren bestimmt: steigende Anforderungen an Klimaschutz, zunehmende Digitalisierung und verändertes Mobilitätsverhalten.
Für Städte bedeutet das, den öffentlichen Raum neu zu organisieren, Verkehrsflächen zu reduzieren, Parkflächen gezielt zu bündeln und gleichzeitig die Erreichbarkeit sicherzustellen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Ladeinfrastruktur weiter an Bedeutung. Best in Parking betreibt aktuell über 900 Ladepunkte inklusive Fast Charger und entwickelt Standorte zunehmend zu multifunktionalen Mobilitätshubs, die nach Möglichkeit durch eigene PV-Anlagen versorgt werden. Aktuell sind zwei PV-Anlagen in Betrieb, weitere sind in Planung und werden in Kürze umgesetzt.
Eine zentrale Herausforderung wird darin liegen, bestehende Strukturen schrittweise weiterzuentwickeln und diese Transformation in enger Zusammenarbeit mit Städten umzusetzen. Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, die sowohl ökologisch sinnvoll als auch langfristig wirtschaftlich tragfähig sind und einen messbaren Beitrag zur Lebensqualität in urbanen Räumen leisten.