Im Gespräch: Daniel Resch
Österreichischer Wasser- und AbfallwirtschaftsverbandDer Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) vertritt seit 1909 die Gesamtheit der Wasser- und Abfallwirtschaft in Österreich. Als gemeinnütziger Verein setzt er sich für die Erreichung der nachhaltigen Ziele der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene ein.
Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?
Viele Infrastrukturen des Alltags nehmen wir erst wahr, wenn sie einmal nicht funktionieren. Sauberes Trinkwasser aus der Leitung, funktionierende Kanalisation oder eine verlässliche Abfallentsorgung bilden das Fundament unseres täglichen Lebens. Sie verbinden Menschen und Orte auf sehr grundlegende Weise und schaffen die Voraussetzungen für Gesundheit, Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung. Als gelernter Bauingenieur habe ich früh gelernt, wie stark solche Systeme unsere gebaute Umwelt prägen, auch wenn sie oft unsichtbar bleiben. Gerade deshalb sind sie ein wesentlicher Bestandteil funktionierender Städte und Gemeinden.
Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei in ihrem Bereich, für Ihr Fachgebiet?
Infrastruktur entsteht immer im Spannungsfeld zwischen technischer Machbarkeit und der Qualität unserer Lebensräume. Technische Systeme müssen zuverlässig funktionieren, gleichzeitig prägen sie Städte und Landschaften oft über Jahrzehnte hinweg. Gerade im Umgang mit Wasser wird sichtbar, wie eng Technik, Planung und Gestaltung miteinander verbunden sind, etwa bei der Regenwasserbewirtschaftung, bei Gewässerräumen oder bei der Integration technischer Anlagen in den städtischen Raum. Unsere Verantwortung als Fachleute liegt darin, diese Systeme so zu planen und zu betreiben, dass sie nicht nur technisch funktionieren, sondern auch einen Beitrag zu lebenswerten, klimaresilienten und gut gestalteten Räumen leisten. Infrastruktur ist daher immer auch Teil der Architektur und der räumlichen Entwicklung unserer Städte und Gemeinden.
Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft?
Die zentralen Herausforderungen liegen im Zusammenspiel von Klimawandel, Ressourcenknappheit und neuen Umweltbelastungen. Extremwetter, Trockenperioden und neue Stoffgruppen verlangen von Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft deutlich flexiblere und robustere Systeme. Zunehmend wichtig wird daher die Resilienz der Infrastrukturen – also ihre Fähigkeit, Belastungen abzufedern und schnell wieder funktionsfähig zu sein.
Ebenso gewinnen blau-grüne Infrastrukturen an Bedeutung: naturbasierte Lösungen wie Retentionsflächen, Begrünungen und Gewässerräume, die Städte kühlen, Hochwasser abmildern und technische Systeme entlasten.
Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft müssen Stoffkreisläufe stärker geschlossen werden. Dazu zählt insbesondere die Nutzung von Sekundärrohstoffen – etwa recycelte Baumaterialien, Nährstoffrückgewinnung aus Abwasser oder die energetische Verwertung biogener Reststoffe. Im Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) beschäftigen wir uns intensiv damit, wie diese Infrastrukturen resilient, kreislauforientiert und zukunftssicher weiterentwickelt werden können.