Boden-Missbrauch
Supermärkte, Verteiler- und Logistikzentren, Serverfarmen auf der grünen Wiese
AbendsymposiumFlächeninanspruchnahme und Klimawandel setzen Böden und Artenvielfalt schwer unter Druck. Die Ernährungssicherheit wird in Österreich neben klimabedingten Ernteausfällen und dem Rückgang von Ökosystemleistungen auch durch die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen für Infrastruktur-, Siedlungs- und Gewerbezwecke gefährdet. Wesentliche Treiber dabei sind Industrieanlagen, Logistikzentren, Einkaufsparks und neuerdings Rechenzentren. Dem Land NÖ liegen derzeit rund 100 Anfragen für neue Rechenzentren vor! Der dadurch entstehende Nutzungsdruck wirkt sich in vielen Regionen nachteilig auf die landwirtschaftliche Produktion aus. Hitze und Dürre tun ihr übriges. Österreich importiert Nahrung, die wir vom Supermarkt holen, der vielfach auf der „grünen Wiese“ steht.
Die negativen Effekte der zunehmenden Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung sind bekannt, nichtsdestotrotz wachsen Einkaufszentren an den Ortsrändern weiter, werden Logistik- und Rechenzentren auf wertvollen Ackerflächen errichtet. Die GIS-Auswertung von Daten im Rahmen einer Studie der AGES zeigte auf, dass sich die ertragsstärksten Ackerböden Österreichs im nordöstlichen Niederösterreich sowie entlang von Donau, Enns und Traun in Oberosterreich befinden. Gleichzeitig ist Niederösterreich unter den österreichischen Spitzenreitern bei der pro Kopf Flächeninanspruchnahme. Auch das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) verweist auf die Dringlichkeit der Begrenzung des Bodenverbrauchs, um die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Demnach haben die heimischen Ackerflächen zwischen 1999 und 2020 um mehr als 72.000 Hektar abgenommen, wodurch fast 500.000 Menschen weniger mit Lebensmitteln versorgt werden können. Umgerechnet wurde damit im Schnitt fast alle 20 Minuten die Nahrungsmittelversorgung einer Person “verbaut”.
Immer wieder formieren sich lokale Initiativen, um gegen die Verbauung von Feldern und Wiesen zu kämpfen, doch eine breitere Unterstützung ist ebenso dringend gefragt wie ein bewussteres Konsumverhalten und ein bewussterer Umgang mit ChatGPT & Co in der Bevölkerung, sowie ein radikales Umdenken bei den Verantwortlichen auf Gemeinde- und Landesebene. Was derzeit als „kritische Infrastruktur“ definiert wird, muss dringend hinterfragt werden. Ist es der nächste Warenumschlagplatz, das nächste Rechenzentrum, oder der Boden, auf dem unsere Lebensmittel wachsen? Sonst stellt sich wohl bald die Frage, wovon wir uns ernähren sollen, zumal längere Hitzeperioden mit 40° Grad oder mehr, der Rückgang der Grundwasserspiegel und ausbleibender Regen die Landwirtschaft in Zukunft vor noch größere Herausforderungen stellen werden.
Ziel der Veranstaltung ist das Bewusstmachen der Dringlichkeit, die Sensibilisierung, das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten und -optionen. Zielgruppen sind Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung in Gemeinden und beim Land NÖ, Landwirt:innen, Raumplaner:innen und Bürger:innen. Das Thema und die damit verbundenen Herausforderungen werden mit einem Hauptvortrag und einem Impulsfeuerwerk vorgestellt und in einem Beteiligungsformat diskutiert. Anschließend werden in kleineren Gruppen Alternativen erarbeitet und zusammen mit weiterführenden Materialien der Referent:innen in einer "Ideengärtnerei" vorgestellt, "in" der es auch die Möglichkeit für niederschwelligen Austausch mit den Referent:innen geben wird.
Der renommierte Künstler, Filmemacher und Umweltaktivist Edgar Honetschläger, der sich seit Jahren für Biodiversität einsetzt und mit gobugsgo eine Initiative ins Leben gerufen hat, die sich dem Freikauf von Flächen widmet (non human zones), hat seine Teilnahme an der Veranstaltung bereits zugesagt.
Ebenfalls zugesagt haben (in alphabetischer Reihenfolge):
Barbara Birli (Umweltbundesamt)
Christoph Miler (Autor, Designer und Künstler, der sich aktuell mit dem Wasserverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz beschäftigt).
Elias Grinzinger (TU Wien)
Jakob Tuna (BMIMI, Abteilung II/5)
Julia Balasch (Vereinsobfrau GYBN Austria, dem Global Youth Biodiversity Network)
Romana Drexler (Sprecherin der „Initiative Bodenschutz St. Pölten)
Peter Klein (Architekt und geistiger Vater der Initiative Hinterbrühl)
Simon Pories (WWF)
Angefragt sind außerdem Sigrid Stagl (WU Wien) und Alfred Grand (regenerativer Bio-Ackerbau und Agroforst auf der Grand Farm)
Der Veranstaltungsort und detailliertere Informationen zum Programm werden in Kürze bekanntgegeben.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.
Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Veranstaltung Fotos gemacht und zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Dokumentation verwendet werden.

