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Im Gespräch: Wolfgang Timmer

konstruktiv – Studio für Architektur

»Wir müssen Infrastruktur als Instrument der proaktiven Gestaltung unserer Umwelt begreifen.«

Architekt Wolfgang Timmer leitet gemeinsam mit Julia Fröhlich das Architekturbüro konstruktiv – Studio für Architektur mit Sitz in Graz, das unter anderem 2023 das EU-weit ausgeschriebene Projekt für die Umgestaltung des Tummelplatzes und Umgebung in Graz gewann oder 2025 den Anerkennungspreis des Landes Steiermark für die Umsetzung eines Baumhauses erhielt, das  „.. eine überzeugende Vision dessen bietet, wie Architektur in Einklang mit nicht-traditionellen Tourismusformen gebracht werden und diese bereichern kann.“

Wolfgang Timmer © konstruktiv Studio für Architektur

Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

Als passionierter Bahnfahrer faszinieren mich Eisenbahninfrastrukturen – Zugtrassen, die Täler überspannen und Berge durchqueren. Sie sind meist nach anderen Kriterien entstanden als Straßen und eröffnen dadurch besondere räumliche Perspektiven: Als lineare Schnitte durch Landschaften und Siedlungen verbinden sie nicht nur Orte, sondern auch soziale Räume miteinander und relativieren Distanzen.

Infrastruktur verbindet uns aber auch, indem sie die Art und Weise materialisiert, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Sie bildet damit ab, wie wir unseren Alltag organisieren, wie wir uns begegnen und bewegen.

In diesem Sinne sind Infrastrukturen insbesondere eine baukulturelle Leistung. Wie jedes kulturelle Werk verändern sie sich im Laufe der Zeit. Sie beruhen auf Gewissheiten, die brüchig werden, sich verschieben und neu formuliert werden müssen. Gerade hier wird deutlich, dass räumliche Qualität bewusst ausgehandelt und gestaltet werden muss.

Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei für Ihr Fachgebiet?

In unserem Büro war die Arbeit lange von privaten Aufträgen geprägt. Mit unserem aktuellen Projekt, einer Platzgestaltung in der Altstadt, rückt jedoch Infrastruktur ins Zentrum unserer Arbeit. Dabei begegnet sie uns sowohl im Untergrund, als auch in der Gestaltung von räumlich und sozial wirksamen Strukturen an der Oberfläche.

Infrastruktur ist für uns also nicht nur funktionaler Hintergrund, sondern Teil einer neu ausverhandelten Qualität des öffentlichen Lebens. Daraus ergibt sich bei der Platzgestaltung etwa eine Neuausrichtung – weg vom motorisierten Verkehr, hin zu einer aktiven Mobilität, hin zu einer hohen Aufenthaltsqualität und zu klimatisch wirksamen Freiräumen. Grünflächen, Beschattung sowie barrierefreie Oberflächen und Möblierungen werden dabei immer wichtiger. Insbesondere im Hinblick auf demografische Änderungen oder sich ändernden Nutzungen.

Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft? 

Infrastruktur ist in der Lage, Menschen zu bewegen – im wörtlichen und übertragenen Sinn – und ihren Alltag auf vielfältige Weise positiv zu verändern. In gebauter Form kann sie daher als „Botschafterin“ unserer Gesellschaft hinsichtlich neuer Herausforderungen wirken. Wir müssen Infrastruktur als Instrument der proaktiven Gestaltung unserer Umwelt begreifen. Künftig wird sie stärker an den Kriterien der Bauwende gemessen: Nachhaltigkeit, Klimaschutz und gerechte soziale Teilhabe sind zentrale Maßstäbe – nur so können Räume repariert, weiterentwickelt und verantwortungsvoll verbunden werden.


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