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Im Gespräch: Mia Flieher

Baudirektion im Amt der Salzburger Landesregierung

»Das Wichtigste in Zeiten der Polarisierung ist, dass in Bezug auf das Bauen und Schaffen neuer Lebens- und Arbeitswelten alle Beteiligten im Dialog sind.«

Mia Flieher ist leidenschaftliche Architektin, brennt für das Thema Baukultur. Nach ihrem Architekturstudium an der TU Graz plante sie bis 2011 für Architekturbüros in Graz und Salzburg und sammelte Erfahrung in der Raumplanung. Seit 2020 führt sie das Referat Landeshochbau in der Baudirektion im Amt der Salzburger Landesregierung. Dort beschäftigt sie sich seit über zehn Jahren intensiv mit Projektentwicklung und der Auslobung von Architekturwettbewerben. Sie ist Projektleiterin für den Neubau „Landesdienstleistungszentrum Salzburg“, eine Kombination aus Bürgerzentrum und Bürowelt für 1300 Miterbeiterinnen und Mitarbeiter - am Salzburger Hauptbahnhof. Exemplarisch startete das Projekt mit einem breitangelegten „Kooperativen Verfahren“ und einem „EU-weit offenem Architekturwettbewerb“. Mia Flieher versteht sich als „Dienstleisterin an der Gesellschaft“ für eine besser gebaute Umwelt.

Mia Flieher © Lola Flieher

Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

 Lebensqualität hat mit Gemeinschaft zu tun, entscheidend sind ganzheitliche Ansätze. Im Fokus einer zukunftstauglichen Baukultur wird die Durchmischung vieler Lebensbereiche stehen. Die Zeit monofunktioneller Bauten ist ausgelaufen. Wohnen, Arbeiten und Produktion müssen wieder zusammenwachsen. Es bedarf weitsichtiger, interdisziplinärer Entwurfskonzepte, in denen auch Wiedernutzung und Regeneration wesentliche Faktoren sein müssen. Es müssen Nachbarschaften geschaffen werden, die junge und ältere Generationen geleichmaßen miteinbinden. Das gilt dann bei der Errichtung von Gebäuden oder der Revitalisierung von Bestand ebenso wie für die Schaffung oder Wiederherstellung öffentlicher Räume als Lebenszonen im urbanen und im öffentlichen Bereich. Um dieses zu verbessern, kann die Idee eines „Ortskerns“ oder einer „Begegnungszone“ auf viele Bereich umgedacht werden.

Beispielhaft lässt sich das an der Neuorientierung von Landwirtschaftlichen Schulen in Salzburg nachvollziehen. Etwa die Sanierung und der Ausbau der Landwirtschaftsschulen Winklhof und Bruck inmitten ihrer Ortszentren. Neben dem Ausbildungsbetrieb in Lehr- und Produktionsstätten rückt hier auch die Direktvermarktung regionaler Produkte in einem Ab-Hof-Verkauf ins Zentrum. Die Schulen sind bestens an den Nahverkehr angeschlossen.

Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei für Ihr Fachgebiet?

Es geht um Wechselwirkungen zum Wohl der Lebensqualität, uns es geht um die Verfügbarkeit einer hochwertigen Daseinsvorsorge. Wohlüberlegte Infrastrukturkonzepte legen genauso wie Projektentwicklung und gute Planungsprozess das Fundament für eine geglückte, menschennahe und lebensfreundliche Baukultur. Um aus diesem Zusammenspiel effizient Nutzen ziehen zu können, wird eine intensive Kommunikation, eine verbesserte Vermittlung aller Ideen und Planungen notwendig sein. Integrale Konzepte, Masterpläne und eine professionelle Projektentwicklung für Orte, Plätze und insbesondere für den öffentlichen Raum sind entscheidend für gelungene Umsetzungen.

Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft?

Herausfordernd, aber zugleich bereichernd wird es sein, bestehenden Infrastrukturen neues Leben zu geben. Der Raubbau an Grund und Boden muss enden. Stattdessen sollten wir verdichten und revitalisieren, wo bereits Grundpfeiler gelegt worden sind.

Politik und öffentliche Verwaltung müssen dabei Vorbild in Sachen Baukultur sein - vor allem auch bei der Umsetzung jener Prozesse, die dafür nötig sind. Wir brauchen innovative Rahmenbedingungen oder Förderungen, auch Anpassungen von Gesetzen, Normen und Richtlinien, die eine Wende im Umgang mit vorhandenen Ressourcen unterstützen. Es müssen Grundlagen geschaffen werden, damit Infrastruktureinrichtungen und Bauwerke ressourcenschonend gebaut werden können. Dazu gehört auch eine Reform im Geiste, ein neues Bewusstsein für ein gemeinschaftliches Zusammenspiel im Sinne einer Verbesserung des Gemeinwohls.


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