Im Gespräch: Jutta Rinner
Linz AG»Zentrale Aspekte bei Infrastrukturplanungen sind Weitblick, das Mitdenken von künftigen Entwicklungen und Möglichkeiten. Infrastruktur braucht deshalb auch die Vision aber vor allem Gestaltungswillen und Verantwortung.« Jutta Rinner, Vorstandsdirektorin Konzernservice & Verkehr, LINZ AG für Energie, Telekommunikation, Verkehr und Kommunale Dienste
Jutta Rinner © Robert Maybach
Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?
Die LINZ AG bietet eine Vielzahl an Dienstleistungen im Bereich Infrastruktur. Mit vielfältigen Leistungen unterstützt unser Multi-Utility Konzern die Region Linz auf ihrem nachhaltigen Weg in eine lebenswerte Zukunft. Die angesprochene Verbindung ist eine zentrale Aufgabe, der sich die LINZ AG täglich widmet. Denken Sie an die Infrastrukturen, die die Mobilitätsservices der LINZ LINIEN ermöglichen, an die Trinkwasser-, Energie- und Datenversorgung oder auch an die Entsorgung von Abfällen und Abwässern. In allen Fällen sind es die Infrastrukturen des Alltags, die Menschen und Orte verbinden, die die Versorgung mit wichtigen Gütern oder die Mobilität in der Stadt sichern.
Zentrale Aspekte bei Infrastrukturplanungen sind Weitblick, das Mitdenken von künftigen Entwicklungen und Möglichkeiten. Infrastruktur braucht deshalb auch die Vision aber vor allem Gestaltungswillen und Verantwortung.
Konkrete Beispiele für den verbindenden Charakter von Infrastrukturen aus dem LINZ AG-Umfeld gibt es viele:
Ein Beispiel für Infrastruktur, die Orte und Menschen verbindet, ist das aktuelle Projekt der neuen Obus-Achse für den östlichen Teil von Linz mit vielen neuen Umstiegs- und Anbindungsmöglichkeiten. Mit ihr wird eine zukunftsweisende und städtetaugliche Mobilitätslösung für sehr viele Menschen, die in Linz wohnen und arbeiten, realisiert.
Ein anderes aktuelles Projekt mit verbindendem Charakter von Infrastruktur ist die Arbeit am neuen Fernkältenetz für die Linzer Innenstadt mit einer Kältezentrale und einem „Klimatunnel“ als begehbare Hauptversorgungsachse, der vor allem große Gesundheitseinrichtungen versorgen und neben den Fernkälterohren auch Strom- und Glasfaserleitungen beinhalten wird.
Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei für Ihr Fachgebiet?
Infrastruktur im Sinne der Daseinsvorsorge ist ohne beide Aspekte nicht denkbar. Technische Machbarkeit ist die Grundvoraussetzung, wobei der Fortschritt immer mehr Möglichkeiten bietet. Das Bewahren bzw. das Schaffen von räumlicher Qualität und der Schutz von Lebensraum sind wichtige begleitende Ziele. Ein jüngeres Beispiel ist hier der Neubau des Gebäudes der LINZ NETZ GmbH mit Photovoltaikfassade und begrünter Fassade oder die Errichtung des Hochwasserschutzes im Handelshafen Linz, der den Hafen, das Industriegebiet und die angrenzende Innenstadt vor Hochwasser schützt. Der Schutz von Mensch, Raum und Wirtschaft trifft bei diesem Projekt auf top Ingenieurskunst, die insbesondere beim Hafentor sichtbar wird. Der Hochwasserschutz ist Teil der großen Hafentransformation, namentlich „Projekt Neuland“. Das Herzstück des LINZ AG-Projekts ist der öffentlich zugängliche Hafenpark auf dem Dach einer neuen Pharma- und Tiefkühlhalle. In 18 Metern Höhe können die Besucher*innen des Parks tief ins Hafengeschehen eintauchen, das sonst nur für Betriebstätigkeit zugänglich ist.
LINZ AG-Projekte sind geprägt von Technik, Kreativität, bestmöglichem Schutz des Lebensraumes sowie von Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und Menschen.
Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft?
Eine zentrale Herausforderung ist der Klimawandel und die damit verbundene Transformation von Mobilitäts- und Energiesystemen. Insgesamt kommt unseren Städten und Ballungsräumen eine entscheidende Rolle zu, wenn es darum geht, die gesteckten Umwelt- und Klimaziele zu erreichen. Linz hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein und ist dabei als Industriestadt zweifelsohne mit besonderen Herausforderungen etwa in den Bereichen Energie, Mobilität oder auch Bebauung konfrontiert.
Die LINZ AG begleitet die Stadt Linz auf ihrem Weg in die Klimaneutralität, bündelt viele Kräfte und hat frühzeitig auf Transformation gesetzt. Gleich mehrere Infrastrukturprojekte sind am Weg. Eines davon ist der „Wärme-Wandler“, eine Anlage, die in unseren bestehenden Energiepark integriert werden wird und ohne zusätzlichen Einsatz von Primärenergie den erneuerbaren Anteil in der Fernwärmeerzeugung weiter erhöhen und die Versorgung für mehr als 90.000 Haushalte sichern wird. Neben Ausbauprojekten im Öffentlichem Verkehr liegt ein weiterer Schwerpunkt in der Umsetzung der zukunftssicheren Trinkwasserversorgung von morgen bzw. in der Beteiligung der LINZ AG an Forschungsprojekten in den Bereichen Großwärmespeicherung und Wasserstoff.