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Im Gespräch: Gerry Foitik

Österreichisches Rotes Kreuz

»Flexibilität und Anpassungsfähigkeit [sind] die Währung für Infrastrukturen, die in Zukunft im Wert steigen werden.«

Gerry Foitik ist Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) und Mitglied der ÖRK-Geschäftsleitung. Seit 2007 bekleidet er die Funktion des Bundesrettungskommandanten, seit 2012 ist er in der Geschäftsleitung für die Bereiche Blutspendewesen, Einsatz, Innovation und Beteiligungen verantwortlich. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen das nationale und internationale Einsatz-Management, das Rettungswesen, die psychosoziale Betreuung sowie die ÖRK Einkauf- und ServiceGmbH. Seine hauptamtliche Tätigkeit im Generalsekretariat des Österreichischen Roten Kreuzes begann er im Jahr 2000 als Leiter des Bereichs Einsatz, Innovation und Beteiligungen. Darüber hinaus ist Gerry Foitik seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich als Notfallsanitäter im Einsatz.

Gerry Foitik © Martina Siebenhandl

Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

Zunächst einmal das Naheliegende, Verkehrswege, Straßen, Stiegenhäuser, Aufzüge … das alles schafft Verbindungen und Begegnungen. Der öffentliche Raum und seine Gestaltung ist ein wesentliches Element gesellschaftlicher Gestaltung. Fördert er Begegnungen? Unterstützt er Orientierung? Lädt er zum Aufenthalt ein? Ist er ein sozialer Raum, in dem Menschen gleiche Rechte ausüben können? Raumordnung, Baurecht und Stadtbild/Architektur sind vermutlich die am meisten unterschätzten Politikbereiche für den Katastrophenschutz, der Bereich, in dem ich mich auskenne. Sie sind aber auch für das tagtägliche Zusammenleben von entscheidender Bedeutung und prägen soziale Räume auf Jahrzehnte.

Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei für Ihr Fachgebiet?

Gerade Infrastrukturen, die für viele Jahre dienlich sein sollen, müssen besonders hohe Ansprüche an die Zukunftsfitness erfüllen. Dabei müssen sie auch unter extremen Bedingungen funktional bleiben. Das beginnt bei Wohnhäusern und ihrer Eignung beim Fortschreiten der Klimakrise. Hitze ist die größte Naturkatastrophe in Europa – es sterben in Europa mehr Menschen an Hitze als an Verkehrsunfällen und in den USA mehr Menschen als durch Waffen. Zukunftsfit zu sein, bedeutet natürlich auch, für andere Naturgefahren gewappnet zu sein – von Hangrutschungen über Erdbeben bis zu Hochwasser. Als jemand, der sich beruflich über viele Jahre mit Krisenmanagement beschäftigt, behaupte ich, dass Flexibilität und Anpassungsfähigkeit die Währung für Infrastrukturen sind, die in Zukunft im Wert steigen werden.

Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft? 

Als Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation, die im Rettungsdienst und Gesundheitsbereich selbst zur (kritischen) Infrastruktur zählt, empfinde ich es als unser aller Aufgabe, (öffentliche) Infrastrukturen so zu gestalten, dass sie dem Menschen (in diesem Fall: möglichst allen Menschen) dienen, im Einklang mit der Natur und ihren Entwicklungen und auf Basis einer freien, liberalen Demokratie mit einem ebenso gestalteten Wirtschaftsleben errichtet und betrieben werden. Auf die Bedürfnisse spezieller Zielgruppen ist dabei Rücksicht zu nehmen, auch wenn sich Planung und Gestaltung vorranging am mainstream orientieren – man könnte auch Gemeinwohl dazu sagen.


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