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Im Gespräch: Eva Hierzer

NOW Architektur

»Infrastruktur ist ein gebauter Ausdruck unserer Gesellschaft und Kultur.«

Das Architekturbüro NOW Architektur ZT Gmbh mit Sitz in Graz realisierte und plante in den letzten Jahren vielen Bauten im Bereich Bildungs- und Sozialinfrastruktur. Dazu zählen unter anderem die Volksschule Stattegg (2024), das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, Neubau Psychiatrie (2024) oder der Busbahnhof Premstätten (2023). 2024 wurde das Büro mit zwei Awards ausgezeichnet: dem Hospital Concept Award für die Erweiterung der Kinder- & Jugendpsychiatrie im LKH Graz II sowie anotHERVIEWture Award in der Category II: Emerging Female Architect of the Year.

Eva Hierzer © Manuel Draschl und Emilian Hinteregger

Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

Mit Infrastruktur wird oft etwas "Technisches" verstanden. Leitungen, die die Räume versorgen, in denen wir leben. Gebaute Wege wie Straßen, Schienen oder Brücken, die diese Räume miteinander verbinden. Infrastruktur ist aber viel mehr. Sie ist die Versorgung und Fürsorge unseres Alltags, indem sie es uns ermöglicht, nicht nur individuell von A nach B, sondern vor allem kollektiv zusammenzukommen. Für mich sind dies vor allem die sozialen und kulturellen Infrastrukturen wie z.B. Bildungs- und andere Betreuungseinrichtungen, Kulturstätten, Amtsgebäude, Gebetshäuser, Spitäler und andere Gesundheitseinrichtungen. Kurz: gebaute Infrastrukturen, in denen wir als Gesellschaft zusammenkommen und gemeinsam uns bilden, austauschen, miteinander vernetzen, uns gegenseitig helfen oder Kultur gemeinsam erleben und gestalten.

Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei für Ihr Fachgebiet?

Infrastruktur ist ein gebauter Ausdruck unserer Gesellschaft und Kultur. Eine Gestaltung im Hintergrund unseres gemeinsamen Alltags. Damit hat Infrastruktur nicht nur eine technische Funktion, sondern auch kulturelle und soziale Funktionen, die es gilt auch als solche zu gestalten. Denn Räume können auch durch ihre Gestaltung pädagogisch wertvoll sein, zur Genese beitragen, Transparenz und Integration fördern und damit eine kulturelle und/oder soziale Funktion erfüllen. Gerade darauf zu achten, ist für mich die größte Verantwortung in der Architektur.

Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft? 

In Zeiten, in denen Digitalisierung allgegenwärtig und KI unser neuer Ansprechpartner für Informationen ist, soziale Netzwerke uns vermeintlich näher zusammenbringen und autoritäre Tendenzen unsere Demokratie gefährden, werden physische Orte, an denen wir als Gesellschaft zusammenkommen, miteinander auf Augenhöhe verhandeln und gemeinsam gestalten, gleichberechtigt erleben und nutzen können immer wichtiger für unseren Zusammenhalt als Gesellschaft. Damit meine ich nicht nur, gemeinsam Pudding mit Gabeln zu essen. Es ist daher essentiell, dass es diese Orte gibt und dass sie auch als solche ansprechend und wertschätzend als gebauter Ausdruck unserer Gesellschaft und Kultur gestaltet werden. Daher ist eine unserer zentralen Herausforderungen, trotz ökonomischen Drucks (Wirtschaftskrise) und ökologischer Notwendigkeit (Klimawandel), unsere gebaute Infrastruktur so zu gestalten, dass sie unsere sozialen Bedürfnisse als Gesellschaft erfüllt und nicht manipuliert. 


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