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Im Gespräch: Barbara Imhof

»Die Infrastrukturen auf der Erde sind vergleichbar mit den lebenserhaltenden Systemen eines Raumschiffs.«

Barbara Imhof ist Weltraumarchitektin, Designentwicklerin, Forscherin und Lektorin an verschiedenen Universitäten Europas. Sie studierte Architektur in Wien, London und Los Angeles und ist Co-Geschäftsführerin von LIQUIFER Wien – Bremen. Die Firma ist in Europa einzigartig, weil sie einen Schwerpunkt auf Weltraumarchitektur und –design legen. Aktuell arbeitet das Team von LIQUIFER gemeinsam mit den größten europäischen Weltraumfirmen an der Innenraumkonfiguration neuer Raumstationen wie dem International Habitat Modul der Station Gateway und dem Starlab. Barbara Imhof ist seit 2023 Professorin für Integratives Design | Extremes an der Universität Innsbruck.

Barbara Imhof © Sue Fairburn

Bei dieser Ausgabe der Architekturtage geht es um das Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Inwiefern tragen Ihrer Meinung nach Infrastrukturen dazu bei, Menschen, Orte oder Gemeinschaften zu verbinden? Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

Infrastrukturen dehnen sich bis jenseits des Erdhorizonts aus und sichern so unseren gewohnten Lebensstandard. Diese Satellitennetzwerke haben eine große, nicht mehr wegzudenkende Technosphäre um die Erde geschaffen. Die unzähligen Trabanten verbinden uns und prägen unseren Alltag – vom Bankenwesen bis hin zu Karten, Bildern und Orientierungshilfen. Mithilfe von Satellitenbildern aus verschiedenen Jahren werden beispielsweise ideale Standorte für neue Auslieferungszentren von Firmen wie Amazon oder für neue Wohnbauten von Immobilienentwicklern analysiert. Satelliten spannen auch ein umfassendes Kommunikationsnetzwerk, das es uns ermöglicht, in einer dieser Technologie eigenen Virtualität in Echtzeit miteinander verbunden zu bleiben. Satellitenbilder verbinden Architektur mit ihrem größeren räumlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Kontext. Dadurch werden Zusammenhänge sichtbar, die am Boden oft verborgen bleiben.

Wie definieren Sie Infrastruktur als Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit und räumlicher Qualität – und welche Verantwortung sehen Sie dabei für Ihr Fachgebiet?

Die Infrastrukturen auf der Erde sind vergleichbar mit den lebenserhaltenden Systemen eines Raumschiffs. In einem Raumschiff sind diese Systeme für die Besatzung überlebensnotwendig. Sie versorgen sie mit Luft, Luftdruck, Wasser und Nahrung. Sie schaffen eine technische Biosphäre, die zum Überleben notwendig ist. Ähnlich verhält es sich auf der Erde: Die meisten Menschen sind von den geschaffenen Infrastrukturen abhängig. Aufgrund ihres hohen Komplexitätsgrads werden diese Strukturen häufig durch Automatisierungstechnologien und digitale Maschinensteuerung am Laufen gehalten. In Gebäuden wie im Raumschiff handelt es sich dabei um Material- und Energieflüsse. Beim Design von Raumschiffen spielen diese Infrastrukturen eine entscheidende Rolle. Sie müssen einwandfrei funktionieren, damit das Überleben und die Sicherheit der Besatzung gewährleistet werden können. Deshalb wird die räumliche Qualität oft nachrangig behandelt. In diesem Arbeitsgebiet setzen sich Architekt:innen dafür ein, eine bestmögliche Raumqualität für das Wohnen und Leben unter extremen Bedingungen zu gewährleisten. Meistens fängt das bei kleinen Dingen an: Eine gute Benutzbarkeit ist bei jedem Handgriff wichtig. Im Vordergrund steht das detaillierte Innenraumdesign.

Wo sehen Sie in ihrem Arbeitsbereich – bezogen auf das Thema Infrastrukturen - die zentralen Herausforderungen in naher Zukunft? 

In der Weltraumarchitektur liegen die zentralen infrastrukturellen Herausforderungen der nahen Zukunft vor allem in der Entwicklung robuster Systeme, die extremen Bedingungen standhalten. Lebenserhaltung, Energieversorgung und Materialflüsse müssen dabei als integrierte Infrastrukturen und Kreisläufe gedacht werden. Diese Infrastrukturen müssen anpassungsfähig und reparierbar sein, da Wartungsarbeiten im All sehr herausfordernd sind und viel Zeit in Anspruch nehmen. Durch neue Technologien wie KI, Automatisierung, Zusammenspiel verschiedenster Systeme und Robotik werden in Zukunft standardmäßig in die lebenserhaltenden Infrastrukturen eines Raumschiffs eingebaut werden können.

Dann können wir uns als Architekt:innen auf die Gestaltung des Raumes und der Raumqualität konzentrieren und Räume wie im Film „2001: Odyssee im Weltraum“ entwerfen. Für zukunftsweisende Infrastrukturen, die auch auf der Erde zunehmend relevant werden, kann Weltraumarchitektur zum Testfeld werden.


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